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Waldemars Altarchiv

Vom nahenden Ende der Bastelzeit oder ein kleiner Abriss über Realitäten, die man gar nicht kennen will

Probleme, die man verdrängt, haben die unerfreuliche Eigenschaft, in unregelmäßigen Abständen immer wieder aus ihren Schubladen zu kriechen und einen mit der Tatsache ihrer ungebrochenen Fortexistenz zu konfrontieren. Das gilt leider ebenso für die menschliche Psyche, wie für die Weltpolitik.

Seit einigen Jahren frönen die Mullahs im Iran nicht nur ihren bekannten Hobbys, wie Schwule hängen oder Ehebrecher steinigen, sondern basteln mit wachsender Begeisterung zusätzlich an der Atombombe, was nicht grundlegend neu ist und weil es so richtig eigentlich niemandem gefällt, gibt es wohl kein unversucht gelassenes diplomatisches Mittel, sie davon abzubringen. Die gottesfürchtigen Bastler reagierten darauf seither recht geschickt, sofern sie nicht gerade sich damit befassten, die eigene Jugend nieder zu knüppeln, Kongresse zur Shoaleugnung zu veranstalten oder den Juden durch die Blume eine zweite anzudrohen, verschlossen sie sich keinerlei netter Plauderei, drohten andererseits finster zurück, falls man es auf die harte Tour versuchte und bastelten dabei munter und beschleunigt weiter, weil die Zeit ihr Verbündeter ist. Der Verhandlungsweg erwies sich so als wenig zielführend und weil das frustriert und hätte zwingen können, über Alternativen nach zu denken, kam das Problem bei westlichen Regierungen wie ihren friedensliebenden Bevölkerungen in die Schublade, damit man es zukünftig nicht mehr sehe. So ähnlich wie bei der Tourismusbranche, die vor kurzem darum bat, doch nicht mehr öffentlich zu hängen, weil der unbedarfte Reisende daran seelischen Schaden nehmen könnte und fortan andere Länder buchen würde, was dem Ausbau des Geschäfts höchst abträglich wäre. Also in geschlossenen Räumen lernt man, wäre das dann schon OK, was man nicht sieht, braucht einen auch nicht zu belasten.

Mit der Bombe, so zeigt es sich in den letzten Tagen, ist das etwas schwieriger. Das mit dem Basteln geht nämlich so langsam dem Ende zu, die Vollendung beginnt absehbar zu werden. Nicht nur die internationalen Atomenergiebehörde, IAEA stellt es fest, aus Israel kommen deutliche Hinweise, dass der Staat der Juden dies militärisch zu verhindern suchen könnte und spätestens seit Richard Herzinger in der Welt die Problemlage darlegte und dabei etwas flapsig darüber spekulierte, dass der Zeitpunkt für einen solchen Schlag günstig sein könnte, rauscht es entsetzt im deutschen Blätterwald und Internet. Dass das Entsetzen sich dabei weniger an der Tatsache entzündet, dass einer der übelsten, blutrünstigsten und unberechenbarsten Terrorstaaten dieser Erde in Kürze über Atomwaffen verfügen könnte, als daran, dass diese lästigen Juden schon wieder damit anfangen könnten, die friedliebende Welt zu stören, versteht sich von selbst.

Auf alles, was da dann so zu lesen ist, einzugehen, wäre zu viel der Ehre den Schreiberlingen gegenüber, abgesehen davon, dass man sich bei Nahost Diskussionen inzwischen schon dafür rechtfertigen muss, als Deutscher eine besondere Beziehung zu Israel zu empfinden, selbst wenn man damit weder argumentiert hat, noch überhaupt beabsichtigt hatte, es zu tun; man hätte ja keine Erbschuld, beginnt es meist reflexartig und bevor man zur Sache kommt, gilt es erst einmal, dem selten aufnahmewilligen Gesprächspartner das persönliche Empfinden des Erbens von Geschichte und Kultur des eigenen Volkes im Gesamten darzulegen. In der Regel gibt man das auch schnell auf, weil das Übelkeitsgefühl zu stark dabei wird.

So ist das einzig Schöne am vorliegenden Fall, dass man sich diese Diskussion schenken kann, denn er ist relativ simpel zu verstehen, selbst für schlichte Gemüter. Allenfalls braucht es dafür einen Atlas mit einer Karte des Nahen Ostens, Google Maps tut es im Zweifel auch, und die sachlichen Argumente derer, die den Zeigefinger gen Israel richten, hat der Abgeordnete Polenz, der, immerhin Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages, sich immer wieder gern mit Vertretern des Mullahregimes zur Förderung des Wirtschaftsaustausches trifft und bei allen sich bietenden Gelegenheiten ungefragt Israel erklärt, was es zu tun habe und vor allem lieber lassen solle, als Facebook Comment zusammengefasst *) Für den übrigen hasserfüllten antisemitischen Müll, den die Diskussion ausgelöst hat, gilt wieder das mit der oben erwähnten Übelkeit.

Sanktionen und Wirtschaftsanreize werden also vorgeschlagen, als würde dieser Strategie nicht schon seit Jahren völlig fruchtlos gefolgt. Was hat man nicht alles angeboten und dazu Druck, Drohgebärden usw. es hat nichts verändert, schleierhaft daher, warum ausgerechnet jetzt, da die Verzögerungstaktik aufgegangen und die Bombe fast fertig ist, die Stunde der Erleuchtung über Teheran kommen sollte. Der bisherige Misserfolg der Verhandlungen dürfte hauptsächlich daran liegen, dass die Mullahs die Bombe wollen und zwar um so gut wie jeden Preis. Schlimmer als 72 Jungfrauen kann es sie, nach ihrem verquasten Denken, nämlich nicht treffen. Das klingt jetzt hart und natürlich islamophob und es wäre ja auch viel schöner, die Mullahs wären tief im Herzen heimlich doch rational denkende Staatsführer, dann bräuchte man sich nämlich weniger Gedanken zu machen und die Argumentation des Herrn Polenz könnte sogar nachvollziehbar sein. Allerdings hätten sie dann auch das Bombenbasteln, fürstlich entlohnt, längst aufgegeben, würden nicht Hisbollah und Hamas finanzieren, sondern mit dem Westen und Israel kooperieren, weil das Maß an gemeinsamen Interessen in Nahost rational gesehen vergleichsweise groß ist; diese Aufzählung ließe sich fortsetzen. Die Realität ist anders. Der Iran wird durch kein Gespräch von seinem Ziel ablassen. Das ist keine Hypothese, sondern die Quintessenz jahrelanger Verhandlungen mit mehr als großzügigen Offerten. Der Außenpolitiker Polenz sollte das eigentlich wissen.

Das tut er auch, weshalb er daneben mit einer zweiten Argumentationsschiene erklärt, schon Luftangriffe würde allenfalls zwei Jahre verzögern, allzu starke Sanktionen daher auch nicht mehr helfen, aber, jetzt wieder den rationalen iranischen Staatsführer vorausgesetzt (ob der den Ahmadinedschad je zur Kenntnis genommen hat?), wenn man dem Iran nur genügend wirtschaftlichen Anreiz böte, würde er sie ja nie einsetzen, oder nur die Komponenten für das eigene Ego irgendwo lagern (so Polenz heute). Und im übrigen wäre da die israelische Zweitschlagskapazität und Ehud Barak hätte gesagt (verbürgt oder nicht, in welchem Zusammenhang auch immer), die wären ja nicht meschugge, da noch die Bombe einzusetzen.

Nur wird Israel es sich nicht leisten können, das zu testen. Hier kommt der Atlas ins Spiel. Israel ist gerade so groß wie Hessen, das besiedelte Gebiet erheblich kleiner, der Großteil der Bevölkerung konzentriert sich auf wenige Ballungszonen. Spielte man das Schreckensszenario durch, bedürfte es also einer Handvoll Atombomben, um Israel und die Menschen, die dort leben, physisch auszurotten. Trotz Hochtechnologie und einer einzigartigen Armee, ist der Staat Israel aus Gründen der Geografie atomar vernichtbar. Was auch immer an Gegenschlag möglich wäre, es würde das Geschehene nicht rückgängig machen können. Und wie gewaltig die Verluste in dem riesigen Land Iran (bitte wieder den Blick auf die Landkarte lenken) auch immer sein mögen, der Iran würde auch am Tage danach noch existieren. Das ist die simple geografische Wirklichkeit, die man ausblenden muss, wenn man sich der Argumentation hingibt, es wäre ja, selbst wenn der Iran die Bombe hätte, alles nur wie im Kalten Krieg, wo zwei gleichwertige Seiten ihre atomare Kapazität gegenseitig neutralisieren. Und diese Realität ist es, die das Bombenbasteln für die Mullahs so ungemein reizvoll macht, dass keine guten Worte und kein Geld der Welt sie davon abhalten kann, das Projekt zu vollenden.

Schon die Möglichkeit in ihren Händen würde die Existenz Israels gefährden, es wäre ein nicht ausgleichbares Erpressungspotential. Nun handelt es sich aber beim Iran um einen Staat mit einer religiösen Ideologie, die die Selbstvernichtung zur Ermordung des Gegners für ein probates Mittel des Kampfes hält und perverserweise Märtyrertum nennt. Was anderes wäre es, als das Märtyrertum im ganz großen Stil seitens einer Führung, die die Vernichtung Israels zur täglichen Rhetorik gemacht hat (gab es so etwas nicht schon einmal, was seinerzeit auch niemand glauben wollte, da war doch was?). Auch das möchten viele lieber nicht wissen, die Vernichtung Israels und der dort lebenden Juden, könnte den Herrschern des Iran die eigenen Verluste und die unter den Israel benachbarten Palästinensern als Kollateralschäden wert sein.

Insoweit hat Israel gar keine andere Wahl, als zu handeln und vor dem Hintergrund, dass vor einigen Jahrzehnten der Versuch der Auslöschung der Juden schon einmal unternommen wurde, dürften Menschen wie Führung in Israel die Lage mit sehr wenig Humor sehen und die friedensbewegten Ratschläge von außen zu Recht eher ignorieren.

So kann die empörte Welt davon ausgehen, dass etwas passieren wird und es bleibt zu hoffen, dass es noch genügend weitsichtige Politiker im Westen gibt, die dies auch unterstützen. Für militärische Aktionen ist die Debatte, wie sie aus Israel zur Zeit lanciert wird, eher kontraproduktiv. Es liegt also nahe, dass die gegenwärtige Diskussion die letzte Warnung an Teheran darstellt. Sollte sie nicht fruchten, werden die Verantwortlichen den Zeitpunkt des Handelns wählen. Die Frage der militärischen Machbarkeit und die Spekulation, ob man es in zwei Jahren wiederholen müsste, sollte den Mullahs die Lust am Basteln durch einen ersten Schlag nicht vergangen sein, darf man getrost der IDF überlassen. Als Laie darüber zu schwadronieren, ist nichts als Ablenkung vom Kernthema.

Zu beneiden ist Israels politische und militärische Führung nicht, in ihrer Haut möchte man nicht stecken. Die Folgen eines solchen Schlages können auch unter den Menschen Israels hohe Verluste anrichten.

Aber sie stehen in keinem Verhältnis zum Risiko der atomaren Apokalypse.

*) Ruprecht Polenz:

Ausgangspunkt jeder Iran-Strategie sollten zwei Feststellungen des früheren US-Verteidigungsministers Gates sein: 1. Ein Militärschlag kann das iranische Nuklearprogramm höchstens für zwei bis drei Jahre verzögern. 2. Wir können erst dann sicher sein, dass Iran nicht nach Atomwaffen strebt, wenn Iran selbst davon überzeugt ist, dass der Besitz dieser Waffen nicht in seinem Interesse liegt. Daraus ergeben sich folgende Überlegungen: 1. Wenn selbst ein Militärschlag keine dauerhafte Lösung bringt, sondern nur Zeitgewinn, dann darf man von politischen Massnahmen nicht mehr erwarten, weil man SONST zum härtesten Mittel greifen müsse. 2. Die Sanktionen erhöhen die politischen und ökonomischen Kosten eines Festhaltens an der bisherigen Nuklearpolitik. Die in Aussicht gestellte umfasende Zusammenarbeit für eine Abkehr davon zielt auf die Interessen Irans, die eigene Wirtschaft zu entwickeln. Jährlich werden 700.000 neue Arbeitsplätze gebraucht, um die Jugend zu versorgen. 3. Iran mit Nuklearwaffen würde dazu führen, dass Länder wie Saudi Arabien, Aegypten und andere in der Region sehr bald auch welche hätten. Damit wäre der „strategische Vorteil“ vorbei. 4. Ehud Barak geht – auch wegen der israelischen Zweitschlagskapazität und der damit verbundenen Abschreckungswirkung – zu Recht davon aus, die Iraner seien doch „nicht meschugge“. Sie würden Israel nicht angreifen. 5. Deshalb ist containment und Abschreckung eine wirksame Alternative zu den nicht kalkulierbaren Risiken und Nebenwirkungen eines Militärschlags.

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Über Waldemar Pabst

Undogmatischen Konservativer. Nazifeind, Antikommunist, entschiedener Gegner jedes religiösen Totalitarismus, Rassismus und nicht zuletzt der Verschwörungstheoretiker. Bekennender Israelfreund und das, was man einmal einen “Atlantiker” nannte. Vertritt uneingeschränkt das Gesellschaftssystem der freien Welt. Blog: https://schwarzoderweiss.wordpress.com/

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