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Waldemars Altarchiv

Bombiges Gedenken

67 Jahre ist das Kriegsende her und mit der Zeit hat man in Deutschland durchaus gelernt, mit Erinnerung und Bewertung einigermaßen nachdenklich und würdig umzugehen. Fast in ganz Deutschland, denn im südlichen Osten der Berliner Republik gibt es einen Flecken, der sehr hartnäckig seine ganz eigene Erinnerungskultur, wie es neudeutsch so schön heißt, pflegt. Dresden.

Das Grauen, das die Stadt in jenen Februartagen und Nächten 1945 traf, ragte sicher selbst aus den Schrecken des Bombenkrieges heraus. Dennoch ist der Umgang damit außergewöhnlich. Den Grundstein dazu legte niemand anders als Dr. Joseph Goebbels. Der nämlich, mitten im endgültigen militärischen Zusammenbruch des Nazireiches, der nun für jeden sichtbar war, brauchte keine Rücksicht mehr auf Schwächeeingeständnisse zu nehmen und wechselte die Propagandalinie vollständig. Statt Beschönigung der Schäden versuchte er es in letzter Stunde mit Anklage, wo doch die Deutschen nach sechs Jahren von ihnen geführtem Vernichtungskrieg kein Mitleid, geschweige denn Erbarmen mehr erwarten konnten. Im Chaos der ausgebrannten Stadt voller Leichen war es auch für den neutralen Beobachter schwer nachzuvollziehen, welche Verlustzahlen sich ergeben hatten, weshalb die goebbelsche Vorgabe, die sich wahrscheinlich aus einer schlichten Verzehnfachung der geschätzten Verluste ergab, von 250.000 Toten sich in der Welt verbreitete und verschiedenste sechsstellige Versionen von da an ihren Weg nahmen, als wäre das Entsetzliche nicht groß genug gewesen.

Nach den Nazis bemächtigte sich die rote Diktatur der Linkspartei, Pardon, da hieß sie noch SED, der Opfer. Der kalte Krieg begann und es passte trefflich, dass es die Westalliierten waren, die die Angriffe flogen, während die glorreiche Rote Armee die Stadt doch auch heil befreit hätte. Sogar Goebbels Verlustzahlen erwiesen sich als recht praktisch. Das alljährliche Gedenken begann. Während man in Hamburg, der schlimmsten in Deutschland vom Bombenkrieg betroffenen Stadt sich still der Toten erinnerte, Hans Brunswig ihnen ein lakonisch sachliches Denkmal in Form eines außergewöhnlichen detailreichen Buches setzte, wurde Dresden zum lärmenden Propagandaobjekt der zweiten deutschen Diktatur, die in der Formulierung von „anglo-amerikanischen Luftgangstern“ gipfelte, die sich wörtlich an die Nazipropaganda anschloss. Erneut wurde der Opfer nicht wirklich gedacht, sondern sie instrumentalisiert. Gleichfalls begannen die emotional geführten Diskussionen über die Opferzahlen und die Frage, ob es sich gar um ein alliiertes Kriegsverbrechen handelte. Bücherwände sind darüber geschrieben worden, hier sei kurz erwähnt, dass alle Mächte des Krieges gelehrige Schüler des Italieners Douhet waren, der in der Zwischenkriegszeit die Auffassung vertrat, dass ein vernichtender Luftkrieg künftige Kriege entscheiden würde. Der Rest ist die Eigendynamik des Krieges und den begannen die Deutschen, ebenso den Terrorkrieg aus der Luft. Wieluń, Warschau, Belgrad. Der verheerendste Luftangriff in Europa für die Zivilbevölkerung mit wohl 50.000 Opfern wurde von Deutschen am Vorabend der Schlacht auf Stalingrad geflogen, militärisch nicht nur sinnlos, sondern kontraproduktiv, die Trümmer behinderten die Eroberung der Stadt und trugen auf ihre Weise zum Desaster bei. Eine müßige Diskussion, die aber, da von Links geführt, ungeniert möglich war und nunmehr alle Fragen, die sich zu Dresden ergaben, zum ideologischen Kampfmittel machte. War es nötig, die Stadt noch anzugreifen, war sie ein militärisch legitimes Ziel, sollten die Russen nur eingeschüchtert werden, die leidigen Opferzahlen und irgendwann kamen auch die Tiefflieger dazu. Je nach politischem Standort wurden die Antworten benutzt, die SED Propaganda übrigens leistete perfekte Vorarbeit für verbitterte Alt- und heutige Neunazis. Erst in den 80ern begannen oppositionelle Kirchenkreise die Opfer wieder zu entdecken und still an diese zu erinnern. Damit gab es schon zwei parallele Veranstaltungen.

Wer glaubte, mit der Wende würde die Propaganda weichen und eine ehrliche Auseinandersetzung beginnen, hatte sich getäuscht. Nun ging es erst richtig los. Der jetzt mögliche nüchterne Versuch der Militärhistoriker, die offenen Fragen zu klären, kam in den Kampf der Ideologen. Während die Linken nun herunterrechnen wollten, übernahm Rechts das alte Propagandabild, jede Erkenntnis wurde je nach Nützlichkeit zum politischen Streitfall. Ob es nun Tieffliegerangriffe gab oder hier zufällig nicht, ist im Falle Dresden nicht eine Frage der Kriegsgeschichte, die zur Bewertung der Angriffe ohnehin völlig bedeutungslos ist, sondern Glaubensfrage. Die Opfer bleiben politisches Kampfmittel.

Indessen war es dann nur eine Frage der Zeit, bis sich die Neonazis des Themas bemächtigten, back to the roots mit der 1:1 Übernahme der Goebbelspropaganda, die dank SED die Jahrzehnte überdauerte; ihnen auf dem Fuße folgend die Antifa, für die nun die Bombenopfer feindliche Tote wurden und mitten drin die offizielle Stadt und die Kirchen mit einem Veranstaltungsgemischtwarenladen, der sprachlos macht. So hat sie sich ritualisiert: Die Dresdner Gedenktriade:

In der Stadt wird an jeder Ecke mit ernster Miene das „nie wieder“ zelebriert, wobei die Frage, was denn nun „nie wieder“, die Nazis oder der Krieg, besser nicht zu genau beleuchtet werden dürfte, verhakte man sich doch dabei in der Erkenntnis, dass nur der Krieg die Nazis zu besiegen vermochte, was dem Predigen des pazifistischen Weltbilds abträglich wäre, weshalb zu vermuten ist, dass man sehr schnell sich auf diesen Veranstaltungen mit Erbaulicherem befassen wird, Afghanistan zum Beispiel oder wie man den bombenbastelnden Iran ganz friedensbewegt davor schützen könnte, dass die bösen Juden ihn militärisch am Fertigstellen hindern. Zum Fall Dresden verlieren sich zwar die Zusammenhänge, aber die Engländer kommen ja auch nicht mehr vorbei, zumal über Ökodeutschland heutzutage ohnehin das Nachtflugverbot gilt.

Die Neonazis marschieren auf, nirgends sonst bekommen sie dank Antifa eine solche Publizität.

Und die Antifa macht mobil. Linke Antidemokraten im Verbund mit SPD und Gewerkschaften bemächtigen sich ihrerseits der Straße, vorgeblich um gegen die Nazis zu demonstrieren, tatsächlich aber, um zu versuchen, denen den Weg zu verlegen, was gegen das Demonstrationsrecht ist und die Polizei zwingt, den Nazis die Route frei zu halten und sich entsprechende Auseinandersetzungen mit der Antifa zu liefern, die ihren Hass auf Rechtsstaat und Polizei damit ausleben können und dabei sich das tolle Gefühl einreden, den Nazis Widerstand zu leisten. Das alles hat mit dem Anlass nichts mehr zu tun.

In der Tat, Dresden ist ein Sonderfall. 67 Jahre sind die Bombenopfer als Spielball von allen möglichen politischen Richtungen benutzt worden. Nichts gibt dazu Hoffnung, dass es sich je ändern könnte. Gebt ihnen Ruhe. An den Schluss sei der Appell gestellt (der ungehört im Netz verhallen wird, auf dass es auch 2013 the same procedure as every year sein wird):

Dresdner aller Couleur und aller Ebenen, macht ein Ende mit der absurden Gedenkerei. Die Toten werden es Euch danken.

Und die Polizisten auch.

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Über Waldemar Pabst

Undogmatischen Konservativer. Nazifeind, Antikommunist, entschiedener Gegner jedes religiösen Totalitarismus, Rassismus und nicht zuletzt der Verschwörungstheoretiker. Bekennender Israelfreund und das, was man einmal einen “Atlantiker” nannte. Vertritt uneingeschränkt das Gesellschaftssystem der freien Welt. Blog: https://schwarzoderweiss.wordpress.com/

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