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Waldemars Altarchiv

Samstags in Eilbek

Kennen Sie Eilbek? Eher nicht. Eilbek ist der Anfang des Bezirks Wandsbek, der noch in die Innenstadt hineinragt, umschlossen von allem, was Hamburg zu bieten hat, vom al-Qaida-City Teil St. Georgs, dem Arbeiterhamm, dem noblen Uhlenhorst, Barmbek, dem Wandsbeker Kern und dem edlen Marienthal, durch sechs Spuren Chaussee in zwei Hälften geteilt, die Nördliche etwas gehobener. Es ist das klassische friedliche Bürgerviertel, in dem die unterschiedlichsten Nationalitäten schlagzeilenfrei zusammenleben, das nie in der Zeitung steht, frei von jeder Sehenswürdigkeit ist, in keinem Reiseführer vorkommt, aber in dem man halt lebt. Und das gern.

Vielleicht dachte die Polizeiführung, die Leute langweilen sich dort gewiss, man sollte ihnen einmal etwas bieten, vielleicht war sie auch nur naiv und glaubte ernsthaft, die biedere Umgebung hätte beruhigende Wirkung auf politische Wirrköpfe, auf jeden Fall, sie entschied sich einen bundesweiten Aufmarsch von NPD und Kameradschaften, von nun an kurz und treffend Nazis genannt, am letzten Samstag quer durch diese städtische Unschuld zu führen. Da das Ganze auch nicht sonderlich überraschend war, sondern viel mehr lange Monate geplant, machte auch der politische gute Wille mobil, weil das Zeichensetzen mit bunten Luftballons auf dem Rathausmarkt gegen die braunen Invasoren so ein echt gutes Feeling gibt und vor allem jedoch mobilisierten all jene, die sich immer schon als Widerständler fühlen wollten und zu ihrem tiefen Bedauern vor 70 Jahren noch nicht geboren waren, um es den Nazis einmal richtig zu zeigen. Letztere mit der auch nicht sonderlich originellen Zielsetzung, die Nazidemo durch Straßenblockaden zu stoppen, was bekanntlich gegen das sonst gern selbst genutzte Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit ist und die arme Polizei zwingt, dafür zu sorgen, dass die Freiheitsrechte gewährleistet werden. Also die Blockaden zu räumen, womit sich diese Form selbsternannten Widerstands de facto gegen die ihres Wochenendes beraubten Polizisten richtet, die den Demonstrationszug schützen müssen, darum im verqueren Denken des Pseudowiderstands als Nazischützer entlarvt werden und entsprechend bekämpft werden dürfen. So weit, so alt, so dumm, so verlogen und böswillig. Natürlich ebenfalls wie immer durch die selbsternannten friedlichen Blockierer geschützt, die sich wichtig machend wegtragen lassen und der Polizei die Kapazität nehmen, sich gegen Gewalt zu wehren. Und damit man richtig fit für den spannenden Tag wird, werden schon in der Nacht davor Polizeitransporter auswärtiger Polizisten auf einem Hotelparkplatz angezündet.

Man sieht schon, alle Seiten finden sich mehr oder weniger gut vorbereitet auf dem festgelegten Kampfplatz ein und allen Seiten ist eine Kategorie von Menschen dabei herzlich egal. Die Eilbeker nämlich und wie sich zeigen wird auch die aus Hamm, die angrenzend wohnen.

Die Polizei geht ganz konventionell vor. Sie riegelt ab, wie Polizei das so macht. Gitter auf die Straße, einen Peterwagen davor und erst kommt kein Auto mehr herein und später auch keins mehr raus. Natürlich erscheint weder der geneigte Nazi, der wird nämlich vom Hauptbahnhof an eskortiert, noch der muntere schwarze Block mit dem Auto, aber das ist nicht weiter wichtig, ebenso wenig wichtig, wie die traurige Tatsache, dass das Gros der 10000 Einwohner damit den Samstag als freien Tag abhaken konnte. Hauptsache, es sieht sicher aus. Außerdem störte jetzt kein lästiger Autoverkehr mehr die Autonomen dabei, ins nördliche Eilbek einzufallen, wo die Nazis später durchziehen sollten. Samt ihren “friedlichen” Mitblockierern begannen sie flugs ein fröhliches Straßenblockadenerrichten, Müllcontaineranzünden und Steinewerfen gegen die Ordnungsmacht, das volle erste Mai Programm im schönsten Juni und zwar von Anfang an vor den Augen der geschockten Bürger an ihren Fenstern und auf ihren Balkons. Ein paar Verzweifelte reagierten aus Angst um ihre Autos, begannen sie in die Seitenstraßen zu fahren, wo allerdings Halteverbot herrschte, worauf umgehend der Bezirkliche Ordnungsdienst ungeniert seines Amtes waltete. Die Polizei ihrerseits schlug zurück, kesselte angeblich gleich 700 der Möchtegernkriegsspieler ein, womit sie die bedauernswerten Antifaschisten natürlich schwer provozierte und ließ sie dann nach ein paar Stunden rechtzeitig zum richtigen Showdown wieder frei. Außerdem verlor sie den nächsten Streifenwagen ans Feuer und hatte die ersten steinwurfbedingten Ausfälle, Steinigungen kann man ja auch mal in Eilbek versuchen.

Falls jemand die Nazis bisher vermisst hatte, das war keine hinterlistige Absicht, denn die waren noch gar nicht eingetroffen. Am Mittag wurden sie gebracht, wie man sie sich immer vorstellt, stiernackig, kurzgeschoren und erfreulich offen in der Gesinnung: “Deutsch kann nur der sein, der deutscher Abstammung ist” trugen sie als Motto für ihren “Tag der deutschen Zukunft” voran. Kürzer kann man Nationalsozialismus nicht beschreiben. Es geht nicht um Sozialisation, Zugehörigkeitsgefühl, kulturelle Hintergründe, selbst Religion ist ganz egal, was dem Islamophilen, der seine Kritiker immer Nazis nennt, jetzt richtig weh tun wird, es geht um die Abstammung und nur darum, wobei Judentum für diese Unmenschen bekanntlich keine Frage der Religion, sondern der Abstammung ist. Der reinrassige Arier soll es wieder werden, schwer fasslich, was da aus dem fruchtbaren deutschen Schoss kroch, auch der moderne Nazi bleibt ein Klassiker. Die Jungvolktrommeln voran, es bleibt nichts erspart und um das totale Desaster angesichts des nach wie vor weitgehend autonom besetzten Nordeilbek abzuwenden, vielleicht auch nur, um es gerecht über das ganze Quartier zu verteilen, änderte die Polizei den Demonstrationsweg, äußerst trickreich zogen sie nun durch Südeilbek, mit wohl 500 echten Nazis in der Mitte. Wer nun dachte, alles ginge abgeschirmt seinen Gang und der Spuk wäre nach einer halben Stunde Trommeln vorbei, der irrte. Die düpierten Autonomen, nun alle wieder frei, stürmten über die Chaussee nach Süden durch die überforderte Polizei hindurch, ließen den Norden brandriechend, samt der Hinterlassenschaften ihres Vandalismus und seinen in den Wohnungen eingesperrten Menschen frei, trafen auf Demonstrationszug und Polizeikordon vor einem hübschen Park im Süden und ließen es dort noch einmal richtig krachen. Wieder Steine, brennende Müllcontainer auch da, wo gar keine Demo war, es riecht und prasselt eben schön, Dreck, Lärm, verletzte Polizisten und im angrenzenden Hamm traf es zwei Anwohner, die wahrscheinlich mit ansehen durften, wie ihre Autos in Flammen aufgingen. Wohlgemerkt, dort wohnt kein Reicher und ob die Eigentümer eventuell selbst Migranten waren, hatten die Täter sicher vorher nicht gefragt. Eine Gewaltorgie eines gut organisierten Mobs, der den Horror (so nannte es jemand, der an einem der wortwörtlichen Brennpunkte lebt) wie einen kleinen Tornado durch die Wohnstadt fegen ließ, ungeschützt die Bewohner, die Polizei zum Schluss nur noch darauf konzentriert, die feixenden Nazis abzuschirmen, einen Weg frei zu machen um Letztere hinaus zu bringen, was sogar gelang.

Zurück bleibt nur die um Fassung bemühte Bevölkerung. Und die Stadtreinigung, die gut geplant unmittelbar nach Ende einsetzt und über Nacht all das beseitigt, was beseitigbar ist, einschließlich der Autowracks, auf das nur wenige peinliche Zeugnisse dieses Samstags zurück bleiben. Denn, so widerlich der gemeine Nazi ist, nicht ein einziger Schaden geht zu seinen Lasten. Der erwähnte Mob in Eilbek nannte sich rot.

Was ein Stadtteil voll Verwüstung, verstörte Bewohner, verbrannte Autos, verletzte Polizisten mit dem Kampf gegen Nazis zu tun haben sollen, erschließt sich wohl nur den Hirnen der Täter. Tatsächlich können sich als Sieger solcher Tage nur die Rechtsradikalen fühlen, die es mit wohl tatsächlich gerade 500 Leuten und der Strategie des nicht selber gewalttätig agieren geschafft haben, einen Tag lang die Hauptrolle in Deutschlands zweitgrößter Stadt gespielt zu haben. Sie tun es übrigens auf ihrer Website schon. Dass die gesammelte Linke in Hamburg jetzt mit dem Finger auf die angeblich böse Polizei zeigt, es im Parlament diskutieren will und natürlich auch ihre Musterverletzten hat, ist genauso dreist, wie wenig überraschend.

Wer es nicht bemerkt haben sollte, der Verfasser wohnt in Eilbek. Und das gern.

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Über Waldemar Pabst

Undogmatischen Konservativer. Nazifeind, Antikommunist, entschiedener Gegner jedes religiösen Totalitarismus, Rassismus und nicht zuletzt der Verschwörungstheoretiker. Bekennender Israelfreund und das, was man einmal einen “Atlantiker” nannte. Vertritt uneingeschränkt das Gesellschaftssystem der freien Welt. Blog: https://schwarzoderweiss.wordpress.com/

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