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Es gibt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Gott – oder doch?

Mit diesem eigentlich paradoxen Slogan machte vor 3 Jahren eine kleine Gruppe Atheisten mit ihrer Bustour durch Deutschland auf sich aufmerksam. Missionierend (auch wenn das immer bestritten wurde, aber missionieren ist nichts anders als das aktive Verbreiten) zogen sie durch größere Städte, um den Menschen in diesem Land zu zeigen, das man auch ohne einen Glauben ein glückliches und erfülltes Leben erwarten kann. Sie wollten den Atheisten eine Stimme geben, die sonst untergehen würde. Unterstützt wurde die Aktion von der Giordano Bruno Stiftung, die am liebsten einen Zentralrat für Menschen ohne Konfession hätte. Die Stiftung zitiert die Bibel gerne buchstabengläubig, auch wenn dabei ganze Generationen von Theologen ignoriert werden. So argumentiert es sich leichter. Als ob es in diesem Land noch allzu viele Christen gäbe, die die Evolutionstheorie ablehnten.

Liest man allerdings auf Onlinemagazinen wie „Spiegel Online“ oder „Telepolis“ Forenbeiträge zu Themen, die mit Glauben oder Kirche zu tun haben, hat man nicht den Eindruck, dass hier Atheisten verschüchtert mit ihrer Meinung in der Ecke kauern, da wird eher auf alles, was sich auch nur ansatzweise als gläubig zeigt, verbal eingedroschen und oft weit unter der Gürtellinie. Dabei wird auch auf die Hierarchien der Kirchen hingewiesen, die undemokratisch und bevormundend seien und die nur aus einem elitären Kreis bestehen würden. Liebe Atheisten, besucht doch zur Abwechslung einmal einen Wissenschaftskongress zu den Themen Kosmologie oder Astronomie. Auch hier werdet ihr auf die Phänomene von grauen Eminenzen, Lichtgestalten und elitären Kreisen treffen, die den Ton angeben und von deren Wohlwollen gegenüber neuen Theorien das Eingehen in die Populärwissenschaft erst einmal alleine abhängt. Auch Neil Turoks Theorie über ein zyklisches ekpyrotisches Universum wurde von der Fachwelt anfangs abgelehnt und von Stephen Hawking belächelt. Wie sich Kirchen und Religionen verhalten, wie sie aufgebaut sind, das ist nicht die Schuld des Glaubens oder eines Schöpfers, das ist menschengemacht und findet sich überall.

Zurück zum Bus. Verfolgt wurde der Bus dabei von einem christlichen Bus mit dem Slogan „..und wenn es ihn doch gibt?“. Eigentlich eine ziemlich witzige Frage als Antwort auf den Slogan, regt er doch zumindest mich mehr zum Nachdenken an, als der Slogan des Atheistenbus.

Ja was ist, wenn es ihn doch gibt? Oder anders gefragt, was spricht denn eigentlich so groß dagegen in unserer aufgeklärten wissenschaftsgläubigen Welt?

Der amerikanische Astronom E. Hubble stellte durch Entdeckung der Rotverschiebung fest, dass sich das Universum ausdehnt. Der Umkehrschluss dazu war logisch: Was sich ausdehnt, muss auch einmal eng zusammen gewesen sein, die Urknalltheorie, erstmals formuliert durch Lemaître, folgte. Diese Theorie wurde von anderen Physikern zum Zeitpunkt des Erscheinens vehement abgelehnt, übrigens auch von  Einstein, der von einem statischen Universum ausging.

Das Problem an der Urknalltheorie ist aber, dass sie sich bis kurz zum Beginn des Universum relativ gut und sicher beschreiben lässt, geht man aber genau zum Beginn, endet man in der Singularität, in dem Problem, dass man nun eigentlich einen Schöpfer braucht, der das Ganze startet. Dieses „Problem“ kann man nun mit verschiedenen Theorien umgehen, nur setzen aber auch diese Theorien meist voraus, dass die physikalischen Gesetze bereits existieren, was sie aber ja eigentlich noch nicht konnten.

Sogar die Lichtgestalt der gegenwärtigen Physik,  Stephen Hawking versuchte sich natürlich populärwissenschaftlich mit dem Buch „Der große Entwurf“ und einer eigenen Theorie, dieses Problem zu umgehen.

Auch die Theorie von einem Multiversum, das immer da ist und in dem viele Universen wie Seifenblasen entstehen und verschwinden, steht im Raum.

Dabei stellt sich die große Frage: Warum sollen solche teilweise abstrusen Theorien, die auf vielen Annahmen und Unbekannten basieren, eigentlich wahrscheinlicher sein, als ein Schöpfungsakt und damit ein Schöpfer am Anfang aller Zeit?

Und was ist mit mir?

Ich sehe die Religionen dieser Welt nicht als feste Entscheidung. Ich sehe sie als Denkanstoß, sich seine eigenen Gedanken zu machen, wie bei einer Kochrezeptvorlage. Heraus kommt dabei meine Religion, mein Glaube, meine Vorstellung eines Schöpfers und der Unendlichkeit. Und das trotz oder vielleicht sogar wegen und mit der modernen Physik und Kosmologie. Nur einen Bus, den brauche ich nicht dazu.

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Diskussionen

Ein Gedanke zu “Es gibt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Gott – oder doch?

  1. guter artikel. kann ich mich auf jeden fall mit identifizieren 🙂

    Verfasst von Yve La Roux | 2. Juli 2013, 00:59

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