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NnEkas Woche

Anfang dieses Jahres trat Frontex an, um die EU vor den Horden von Flüchtlingen zu schützen. Und gleich ein paar Tage später machte Frontex mit einem Bericht über ein seeuntüchtiges Geisterschiff Schlagzeilen. Es wäre von der Besatzung verlassen worden, die Flüchtlinge mit dem alten Kahn gegen Italiens Küste geprallt, ja wäre da nicht der Retter in Gestalt von Frontex gewesen. Wie schlimm diese Schlepperbanden doch wären.

Einige Wochen später sieht die Geschichte doch etwas anders aus. Das Magazin Panorama recherchierte bei der italienischen Staatsanwaltschaft und siehe da, die Crew war an Bord, es waren erfahrene syrische Seeleute, das Schiff war uneingeschränkt seetauglich. Es bestand nie die Gefahr einer Kollision mit der Küste.

Das ist doch mal bühnenreife Propaganda. Die Frontex-Sprecherin: „Die Informationen, die wir kurz nach dem Ereignis hatten, sind nicht dieselben, die wir sechs Wochen später haben. Sie nutzen jetzt die aktuellen Informationen.“ Übersetzt in etwa: „ Wir sind nicht davon ausgegangen, dass dem Fall jemand nachgeht, daher haben wir uns einfach diese tolle Geschichte ausgedacht. Hätten wir das gewusst, dass uns jemand auf die Schliche kommt, hätten wir das natürlich nicht so gesagt.“

 

Letzte Woche war Wahlsonntag in Hamburg. Wie langweilig es doch war. Die SPD war uneinholbar vorne weg, die CDU schaffte es diesmal nochmal knapp den zweiten Platz vor den Grünen zu behaupten, die AfD zog knapp über die 5% Hürde und zog damit genauso schnell in den nächsten Landtag (Bürgerschaft) wie sie in 5 Jahren wieder raus sein wird. Interessant ist höchstens das Ergebnis bei den 16- bis 17-jährigen. Hier hat die AfD es nicht geschafft, die Grünen haben die CDU bereits überholt.

Ist der Fasching vorbei, geht für andere der Spaß erst los. Beim politischen Aschermittwoch (ich vermute, es sollte mal populistisch heißen) dürfen Politiker mal wieder so richtig die Sau in sich rauslassen. Etwas zumindest, naja große Koalitionen machen sowas nicht spannender. Man sieht sich bekanntlich am nächsten Tag wieder. Besonders für die CSU natürlich immer ein freudiges Ereignis und auch Grund, den rhetorischen Pitbull Stoiber wieder von der Leine zu lassen.

Lieblingsthema dieser christlichsozialen Partei (der Name zeugt echt von schwarzem Humor) sind natürlich mal wieder die Horden von Flüchtlingen und Asylsuchenden. Die können sich nicht wehren, umso schöner ist das Eindreschen darauf. Und in der bayrischen Provinz kann man den Leuten mit Horden vom Balkan immer noch ganz schön Angst machen. Da Seehofer bei weitem nicht die sprachlichen Möglichkeiten eines Edmund Stoibers besitzt, musste er sich allerdings woanders bedienen. Sein Spruch „Wir sind nicht das Sozialamt der Welt“ hat er sich bei der NPD geklaut. Die plakatiert den schon seit langem. Bei manchen aktiven CSU Mitgliedern sei allerdings die Frage erlaubt, ob sie überhaupt wissen, in welcher der beiden Parteien sie sind. Seehofers sonstige Rede ist hier kurz und knackig zusammen gefasst.

 

Es gibt den “großen“ Rassismus und seinen kleinen Bruder den Alltagsrassismus. Letzterer schafft es selten in die Schlagzeilen der großen Medien. Diese Woche tat er es aber, in der Pariser U-Bahn wurde ein Mann mit mauretanischen Wurzeln durch Londoner Fußballfans am Einsteigen gehindert. Als Krönung durfte er sich noch ein paar Schmähgesänge aufgrund seiner Hautfarbe anhören. Wäre das ganze nicht gefilmt geworden, es wäre einfach so geschehen. So hat es vielleicht doch Konsequenzen. Ich hoffe doch, es ist mehr als ein dummer Spaß. Der Betroffene erklärte später: „Wissen Sie, ich lebe damit, ich war wirklich nicht überrascht.“ Es ist so: Man kann noch so selbstbewusst und stark sein, es trifft einen einfach im Innersten und beschäftigt einen noch länger, als man glaubt. Und das ist kein dummer Spaß.

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