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Fukushima? Nichts passiert oder?

Es ist stiller geworden um den Reaktor in Fukushima, auch wenn der Jahrestag ansteht. Keine Katastrophenmeldung, keine Tausende von Toten, keine Videoaufnahmen die das Ausmaß zeigen könnten, was da eigentlich passiert ist.

Es war eine Naturkatastrophe, möge der naive Beobachter einwenden. Das war es natürlich nicht, wie der Untersuchungsbericht des japanischen Parlaments zeigte. Es war ein „Desaster von Menschenhand“. Der Tsunami und das Erdbeben waren die Naturkatastrophe, Fukushima war vorhersehbar und vermeidbar.

Dass es trotzdem dazu kam, zeigt, wie schwer es ist, die Kernspaltung zu kontrollieren, wenn Profit der Maßstab ist und nicht die Sicherheit.

Das nicht vorhandene Krisenmanagement des Betreibers Tepco hat gezeigt, dass sich auch eine so hoch technologisierte Nation wie Japan vor naiv anmutenden Fehlentscheidungen nicht sicher fühlen kann. Ein Highlight, wie Sicherheit bei Atomstromherstellern abläuft: Radioaktives Wasser verschwindet, weil die Leitungen, in den sich das Wasser befindet. durch Gras zerstört wird. Auf Nachfrage, ob das wirklich so wäre, antwortet ein Tepco Ingenieur sinngemäß: „Wir hatten bisher nicht so viel Erfahrung mit Leitungen auf Gras.“ Willkommen in der Hi-Tec Welt des Atomstroms. Wer einen Blick in das Krisenmanagement von Tepco werfen will, dem sei die ZDF Doku „Die Fukushima Lüge“ ans Herz gelegt.

Es gab keine Toten möge man einwenden, doch ist es zynisch hier einen Bodycount anzubringen. Zählt man all die Toten unter den Vertriebenen und Umgesiedelten mit, sieht es schon wieder anders aus. Noch immer leben Zehntausende in Notunterkünften, zurück in ihre Heimat können sie nicht. 30.000 km² sind für Jahrzehnte verstrahlt.

Und was man vergessen mag, in einer Zeit, in der jede Katastrophe nur ein paar Tage Halbwertzeit in der weltweiten Aufmerksamkeit hat: Diese Katastrophe dauert immer noch an. Noch immer wird radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer geleitet, es wird noch Jahrzehnte dauern, den radioaktiven Müll zu bergen. Weiterhin steht der havarierte Reaktor wie eine Zeitbombe auf klapprigen Füßen. Man möge sich nicht ausmalen, was bei einem weiteren Beben passiert. Zitat eines Tepco Ingenieurs: „Dann blickt man in den Höllenschlund“.

Die Kosten für die Fukushimakatastrophe hatte der Betreiber auf 97.000.000.000 (97 Milliarden) Euro geschätzt. Mittlerweile geht Tepco vom Doppelten der Kosten aus (194.000.000.000 EUR). Trotzdem geht die Entschädigung nur langsam voran. Gefeilscht wird um jeden Euro. Von Flüchtenden wollte Tepco gerne die Rechnungen für Benzin sehen.

Zahlen muss das alles nicht Tepco, zahlen muss die japanische Allgemeinheit. Und das ist genau der Knackpunkt. Diese Milchmädchenrechnung führt erst dazu, dass überhaupt Atomkraftwerke betrieben werden. Atomstrom ist immens teuer und absolut unrentabel. Der Traum vom billigen und einfach zu handhabenden Atomstrom ist ein Relikt aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts. Ein Überbleibsel aus der Steinzeit der Energiegewinnung. Real wurde der Traum genauso wenig wie fliegende Autos oder Städte auf dem Mond. Rentabel für die Betreiber wird er nur, weil die Allgemeinheit für die Kosten der Endlagerung und Katastrophen aufkommt. Hätte man diese Kosten von Anfang an den Betreibern aufgezwungen, es würde in Deutschland und Europa schon lange kein AKW mehr am Netz hängen. Städte auf dem Mond wären wahrscheinlicher.

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Diskussionen

2 Gedanken zu “Fukushima? Nichts passiert oder?

  1. Das ist schnell und leicht beantwortet. Fangen wir hinten an.

    1) Subventionen:
    Es gibt Staaten, die subventionieren gar keine Energieerzeuger, dann gibt es welche die subventionieren alle und welche, die nur gewisse Energiearten subventionieren.
    Zum letzten gehört Deutschland. Hier wurde kommerzielle Kernenergie NIE subventioniert, die sog. EE hingegen schon von Anfang an. Zu den Staaten, die alle Energiearten subventionieren, gehört zB. Großbritannien. Momenatn wird ja das neue KKW Hinkley Point seitens einiger Kontinentaleuropäer heftig bekämpft. Strom aus Hinkley Point C wird mit £92,50/MWh subventioniert. Das ist richtig. Aber: Offshore- Wind kostet £155/MWh, Solarstrom £120/MWh an Subventionen! Was ist also am billigsten für den Steuerzahler?

    Eigentlich müsste man den EE den gesamten konventionellen Kraftwerkspark (fossil und ggf. nuclear) als „Subvention“ anrechnen. Ohne dieses Backup funktioniert ja gar nix. Es gibt kein Land, in dem EE OHNE Subventionen am Leben gehalten werden können.

    Moderne Infrastrukturgroßprojekte sind so teuer, dass sie IMMER staatlich gefördert werden. Oder mit Bürgschaften versehen werden. Egal, ob eine Eisenbahnlinie, ein Kanal oder eben ein Kraftwerk. Oder… ein Flughafen… ^^

    2) Gesundheit: Ja, man muss es immer wieder betonen: Der GAU (Größter anzunehmender Unfall) hat NULL Tote gefordert, das Krebsrisiko ist nach allen Studien der WHO nur minimal erhöht. Rechnet man da das Benefit der gewaltigen Steigerung von Gesundheit, Lebensalter und Komfort hinzu, welches die jahrzehntelange sichere und billige nukleare Stromversorgung ermöglichte, fällt die Rechnung eindeutig aus, oder?

    Viele Menschen lehnen Kernkraft ab, weil sie sich vor Strahlung fürchten. Doch viele ihrer Vorstellungen
    über Strahlung sind falsch. Es gebe keine ungefährliche Strahlung, sagt man.
    Strahlung führe zu Erbschäden, sagt man. Nuklearabfälle seien für Millionen Jahre eine tödliche Bedrohung, sagt man. Das beruht auf der sog. LNT These. Nach der Theorie der linearen Abhängigkeit (Linear No Threshold, LNT) ist die Krebswahrscheinlichkeit proportional zur Dosis.

    Betrachtet Hiroshima. Denn vor Three Miles Island, Tschernobyl und Fukushima gab es ja noch zwei ‚Super-Gaus‘ mit mindestens INES 7. Wird aber gerne ausgeblendet. Der Großraum Hiroshima ist im übrigen ein industrielles Ballungsgebiet mit ca. 2,5 Mill. Einwohnern. Ein Teil von ihnen gehört zu den am besten untersuchten und dokumentierten Personengruppen der Welt der letzten 60 Jahre (Stichwort: Hibakusha), siehe auch:
    http://www.second-fire.ch/downloads/16_sva_de.pdf

    Grundsätzlich stellt sich in der Tat die Frage, warum des einen Landes „Todeszone“ (Fukushima, mit 5 Mikrosievert/h) mit des anderen Landes beliebtes Naherholungsgebiet (Strand von Guarapari, 20 Mikrosievert/h)
    differiert. (siehe zB. http://www.kerngedanken.de/2013/03/die-welt-nach-fukushima-teil-1-gefaehrliche-orte/)

    Grenzwerte sind politischer Natur, nicht Evidenzbasiert.
    Die Physikerin „bionerd“ zeigt, wie irrational das Ganze ist: https://www.youtube.com/watch?v=RvgAx1yIKjg

    Die verheerendste Kraftwerkskatastrophe in Europa der Nachkriegszeit war übrigens der Staudammbruch eines Wasserkraftwerkes. 2000 Tote. http://www.sueddeutsche.de/wissen/naturkatastrophe-als-der-berg-in-den-see-fiel-1.908218

    Hat da jemand den Ausstieg aus der „Unbeherrschbaren Risikotechnologie Wasserkraft“ gefordert?
    Welche Versicherung deckt(e) diese und weitere Schäden durch weitere GAUs von WKW?
    Niemand.

    Ganz klar ist auch,, dass sich wegen des negativen deutschen Atomausstiegsbeispiels mit de facto Enteignung kein Privatunternehmen mehr dafür hergeben wird, KKWs selbst zu betreiben und zu bauen. In den meisten anderen Ländern ist das eh Staatsangelegenheit.

    Funfact: Allein China und Indien werden bis 2030 knapp 100 neue KKWs bauen.

    Nicht nur das: Bis 2050 soll ein Drittel des Energiebedarfs aus Kernenergie gedeckt werden.
    Ausserdem sind in China bereits Thoriumreaktoren in Bau, die nächste Generation von Flüssigsalzreaktoren wird bereits geplant.
    Das wird einen Innovationsschub ohnegleichen geben, Chinia wird sicherlich hunderte KKWs verkaufen können, zumal die neuen Reaktoren wesentlich billiger und sicherer sind als die aktuellen Leichtwasserkraftwerke.
    http://www.ingenieur.de/Fachbereiche/Kernenergie/Europa-im-Visier-China-draengt-in-Export-Kernkraftwerken

    Deutschland schaut sich diese Hochtechnologie dann mit der platten Nase an der Scheibe an….. Hauptsache, wir können unsere Windmühlen korrekt gendern, nichtwahr?

    Verfasst von frankheinze | 14. März 2015, 10:12
  2. Es gab keine Toten möge man einwenden, doch ist es zynisch hier einen Bodycount anzubringen.

    Was soll daran zynisch sein?! Sie hören sich an dieser Stelle an wie Jakob Augstein, der ganz Ähnliches zum Thema geschrieben hat.

    Zählt man all die Toten unter den Vertriebenen und Umgesiedelten mit, sieht es schon wieder anders aus.

    Was soll denn der kryptische Satz bedeuten?

    Wer einen Blick in das Krisenmanagement von Tepco werfen will, dem sei die ZDF Doku „Die Fukushima Lüge“ ans Herz gelegt.

    0 Tote bei einer angeblichen Mega-Katastrophe ungeheuren Ausmaßes mit angeblich unfassbar schlechtem Krisenmanagement. Ist das nicht ein bisschen arg widersprüchlich, selbst für Atomkraftablehner?

    Zahlen muss das alles nicht Tepco, zahlen muss die japanische Allgemeinheit.

    Sie dehnen an dieser Stelle die Wahrheit ein bisschen arg. Natürlich musste und muss Tepco bezahlen. Aber sie können nicht alles bezahlen. Wenn die Kosten einer Katastrophe, eines Wandels oder was auch immer so groß sind, dass sie Privatfirmen alleine nicht mehr tragen können, springt immer der Staat ein. So war das schon immer. Ansonsten bräuchte man keinen Staat.

    Die Atomkraft ist hier keine Ausnahme, sondern die Regel. Wer bezahlt denn, wenn ein großer Staudamm nach einem Erdbeben bricht? Es stehen genug gewaltige Staudämme in Erdbebengebieten mit hundertausenden Menschen dahinter. Erheben dann die deutschen Klugscheißer wieder ihre Stimmen und verlangen ein Wasserkraftverbot auf der Erde? Oder wer bezahlt die so genannte Energiewende in Deutschland? Der Weihnachtsmann oder doch eher die kleinen Stromkunden?

    Und wer profitiert wirklich vom billigen Atomstrom? Wirklich nur Tepco allein oder nicht viel eher die japanische Gesellschaft als ganzes? Der ganze Artikel ist voller Klischees und bestenfalls Halbwahrheiten. Schade.

    Verfasst von American Viewer | 14. März 2015, 11:05

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