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Waldemar

Griff in die Geschichte: Aktion Erntefest

Massengrab der Aktion Erntefest bei Majdanek.

Heute vor 75 Jahren wurden mit der Aktion Erntefest 43.000 Menschen innerhalb eines Tages ermordet. Ein Gastbeitrag von Waldemar Alexander Pabst

Aktion Erntefest

Dröhnende Musik erfüllte den Morgen des 3. November 1943 in Lublin. Surreal, Entsetzen hervorrufend, jedem längst bewusst, dass es eine bekannte Methode der Deutschen ist, Furchtbares zu übertönen, eine eigentlich sinnlose Tarnung, sie selbst offenbart schon alles. Es ist eher dazu geeignet, das Grauen für die Zuschauer zu verstärken. In und um Lublin gab es verschiedene Arbeitslager. Vielleicht 100.000 Juden existierten noch im Generalgouvernement, jenem Teil Polens, den die Deutschen nicht annektiert hatten. Sie wurden in Lagern malträtiert, ihre Arbeitskraft ausgepresst, sie arbeiteten für private deutsche Firmen, vermietet durch die SS, aber hauptsächlich inzwischen für die von der SS gegründete OSTI, die Ostindustrie, die nicht nur Sklaven anbot, sondern auch selber Werke errichtete. Die Familien der Arbeiter waren tot, auf entsetzliche Weise ermordet, in den Ghettos verhungert und an Seuchen gestorben, erschossen durch deutsche Polizisten, vor allem aber mit Kohlenmonoxid vergast. Seit Stalingrad hatte sich ein Funken Hoffnung aufgetan, dass die Sklaven die Befreiuung erleben könnten.

Aber im Laufe des Jahres 1943 ereigneten sich Aufstände, in den Ghettos von Warschau und Białystok, Überlebende kämpften als Partisanen, in den Todeslagern von Treblinka und Sobibor erhoben sich die wenigen, die eine kurze Lebensfrist zum Beseitigen der Toten und Sortieren der Beute bekommen hatten. SS Männer starben, das allein ließ die Furcht in die Herzen der Mörder strömen. Juden wehrten sich, Juden kämpften. Heinrich Himmler grauste beim Gedanken an wehrhafte Juden, entschied alle noch lebenden Juden Polens zu töten, ob die OSTI damit verschwinden würde, die Produktion für die Wehrmacht entfiele. Jakob Sporrenberg, der neue SS und Polizeiführer von Lublin organisierte es.

An jenem Morgen in Lublin begann das Ungeheuerliche, zuvor hatte die späteren Opfer, unter dem Vorwand von Verteidigungsanlagen gegen die vielleicht einmal vordringende Rote Armee, Gräben im Zickzack um die Mordstätten des KZ Majdanek auszuheben, insgesamt 43.000 jüdische Zwangsarbeiter brachte man an die Gräben, SS Wachmannschaften von Majdanek und das Reserve-Polizei-Bataillon 101 erschossen sie an zwei Tagen. Die größte Massenerschießung des Krieges, vielleicht sogar aller Zeiten, zu Walzer- und Operettenklängen, seichter Tanzmusik, überall in Lublin zu hören. Die Teufel des Volkes der Dichter und Denker nannten diesen barbarischen Akt in beispiellosem Zynismus Erntefest. Es war der Schlussakt der Ermordung des polnischen Judentums, der Ermordung von 2 Millionen Menschen und einer Jahrhunderte alten Kultur, der Ostjuden, der Schtetl, ihrer Literatur und Musik.

Heute vor 75 Jahren inszenierten unsere Vorfahren ein Blutbad der Hölle, die Aktion Erntefest.

Der Mordplan

Der Mord an den Juden wie die anderen Untaten waren der Ideologie des Nationalsozialismus immanent. Die völkische Rassenlehre entstammte gemeinsam mit dem Rassenantisemitismus dem 19. Jahrhundert; sie besagte, dass nicht Individuen, sondern ein imaginärer Volkskörper das Subjekt der Menschheit wäre, Volkskörper, die miteinander um Vorherrschaft rängen, die von unterschiedlichem Werte seien, dem arischen, nordischen fiele die Herrschaft über die anderen zu. Nicht einzelne Menschen hätten verschiedene Eigenschaften, diese wären durch die Volkskörper vorbestimmt. Nur dann hätten sie Erfolg, wenn sie sich gesund erhielten, daher das Bestreben, Kranke und Schwache sterben zu lassen, zu sterilisieren, die psychisch Kranken zu ermorden, eine Ideologie jenseits aller zivilisatorischen Entwicklungen der Geschichte. Gleichzeitig wurde ein rassisches Judentum definiert, das aber keinen Volkskörper bildete, seine Menschen würden als Parasiten innerhalb der anderen leben. Was mit ihnen zu geschehen hatte, war damit bereits vorbestimmt.

Nur etwas Zeit war nötig, aus humanistisch gebildeten deutschen Abiturienten die Anführer eines unvorstellbaren Massenmords zu machen. Bis Kriegsbeginn war die Politik des Reiches auf Ausrauben und Vertreiben der deutschen Juden gerichtet. Mit der Besetzung Polens aber gerieten mit einem Schlag mehr als 2 Millionen Juden unter ihre Herrschaft und Ideologie. Es begann ein unmenschliches Verschieben von Menschen, im Warthegau, jenem westlichen Teil Polens, den die Deutschen sofort annektierten, versuchte Gauleiter Greiser umgehend die Juden zu vertreiben, in Lodz erbaute er das erste große Ghetto, begann es alsbald zu verkleinern, er ließ das erste Vernichtungslager, Chelmno, errichten, wo die Kranken, die Kinder, die Alten, die Schwachen des Ghettos in Gaslastwagen bestialisch getötet und vergraben wurden. Auch Hans Frank, Herr des Generalgouvernements, richtete Ghettos ein, in denen die Menschen zugrunde gehen mussten, wehrte sich vergebens gegen Greisers Verjagte, nicht, weil er Mitleid hatte, sondern weil er nicht noch mehr Juden unterbringen wollte. Dramatisch verschärft wurde dies durch die Völkerschiebung der wahnsinnigen NS Ideologen, die nun Deutsche aus dem Baltikum, aus Rumänien, Ungarn zur Ostkolonisation holten. Umvolkung nannte man das, organisiert von der SS. Einfach gedacht, sollten Polen ins Generalgouvernement vertrieben werden, jeweils drei ihrer Höfe einem deutschen Neusiedler übergeben. Den schwarzen Peter bekam wiederum Frank, der auch diese Vertriebenen irgendwo unterbringen musste, wo er doch selber am Ende nur noch Deutsche haben wollte. Vertreibungen größten und grausamsten Stiles begannen an der deutschen Ostgrenze bereits 1940.

Frank ließ diese Menschen dort zusammenpferchen, wo zuvor Juden wohnten, die in die zentralen Ghettos kamen, um möglichst an Hunger, Kälte und Seuchen zu sterben. Himmlers Menschenrochade funktionierte nur in der Theorie. Frank hatte nun fast alle der 2 Millionen Juden in seinem Bereich, dennoch hockten Zehntausende Auslandsdeutsche in provisorischen Lagern, die Volkstumskämpfer hatten sich selber in die Sackgasse gebracht.

Die erste Konsequenz daraus war die Entscheidung, im Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion auf die Ghettoisierung weitgehend zu verzichten und durch die mobilen SS-Einsatzgruppen die jüdische Bevölkerung hinter der Front sofort zu erschießen. Die Radikalisierung hin zur Shoah begann sich Bahn zu brechen. Argwöhnisch die Reaktion der Wehrmacht und anderer deutscher Dienststellen beobachtend, wurden erst nur Männer getötet, als nirgends sich Protest regte, dies bereits im August 1941 auf die gesamte jüdische Bevölkerung ausgedehnt. Das polnische Judentum ließ sich dahin nicht abschieben, das Drängen von Frank und der Umvolker führte zum Mordentschluss. Niemand vermag zu sagen, wann die zentrale Entscheidung zum Mord an allen Juden im deutschen Herrschaftsbereich fiel, nicht einmal, ob es so etwas überhaupt gab, wohl aber, dass der Beginn der planmäßigen Deportation in den Tod das Judentums Polens betraf und hierfür ein eigenständiger, von den Konzentrationslagern und dem Reichssicherheitshauptamt unabhängiger Stab geschaffen wurde. Nach Heydrichs Tod erhielt er seinen endgültigen Namen. Der Einsatz Reinhardt.

Aktion Reinhardt

Die Shoah hatte damit drei Verantwortlichkeitsbereiche der Mörder. In den besetzen Gebieten der Sowjetunion unternahmen die Einsatzgruppen und die Höheren SS und Polizeiführer durch Erschießungen und mobile Gaswagen die ortsansässige jüdische Bevölkerung und dorthin Deportierte aus Deutschland und Österreich zu töten. Die Juden Deutschlands und Europas wurden zentral durch Eichmanns Abteilung im Reichssicherheitshauptamt in die Lager mit der Reichsbahn verbracht, dort getötet, wo es am einfachsten möglich war, hauptsächlich in Ausschwitz, das der Verwaltung der Konzentrationslager unterstand, aber auch im Baltikum und Weißrussland, sowie in Polen. Hier oblag Deportation und Mord nämlichem Einsatzstab Reinhardt und dieser unterstand allein dem Höheren SS und Polizeiführer von Lublin, Odilo Globocnik. Er war nur einer von zwei Höheren SS und Polizeiführern im Generalgouvernement, Friedrich Wilhelm Krüger, der andere, Staatsekretär in Franks Regierung, weitaus bedeutender, dennoch im Falle der Judenvernichtung nur dazu aufgerufen, tatkräftig die Deportation in die Lager zu unterstützen. Frank mit seiner Verwaltung hingegen musste erkennen, dass er über die SS und Polizeiführer keine Weisungsbefugnis hatte, mithin draußen war. Frank opponierte als einziger gegen den geplanten Mord, ausschließlich deshalb, weil er der Ansicht war, ihm allein müsste die Vernichtung der Juden Polens zufallen.

Globocniks Personal stellte die Kanzlei des Führers, die war mit der Tötung der Psychiatriepatienten beauftragt gewesen, was Hitler aus Opportunitätsgründen gerade eingestellt hatte, erfahrene Mörder, nun frei für neue Aufgaben. Ihr Anführer sollte Christian Wirth werden, vormals Chef der Mordkommission der Kripo Stuttgart, dann mit der Verwaltung der Tötungen der Geisteskranken beauftragt, er erwies sich als ein Monster in Effizienz und sadistischem eigenhändigen Foltern wie Töten, das selbst unter den Mördern der Shoah unerreicht bleiben würde. Der ehemalige Salzburger Taxifahrer Herrmann Höfle wurde ausgewählt, die Ghettoräumungen und Verbringung in die Todeseinrichtungen zu organisieren. Er wurde zum Eichmann der Juden Polens, dem er nicht nachstand.

Ein verwaltungstechnisches Chaos, kennzeichnend für den Führerstaat, widerstreitende Interessen, erbittert geführte Auseinandersetzungen. Erschreckend ist die Erkenntnis, dass dies keinerlei Auswirkungen auf die Perfektion der Vernichtung von 2 Millionen Menschen hatte. Wo es um das Töten ging, arbeiteten all diese Verbrecher trotz Kompetenzstreitigkeiten und Animositäten mit größtem Engagement kreativ zusammen, konnten sich auf andere Dienststellen verlassen, arbeiteten Verwaltung und Eisenbahn ihnen zu, störte kaum jemand aus der Wehrmacht, erwiesen sich zu Polizeibataillonen eingezogene ganz normale Männer als perfekte Mörder.

Bereits im Dezember 1941 begann der Bau von Belzec, Prototyp der von kranken Hirnen erdachten Tötungseinrichtungen, sehr primitiv und wirkungsvoll. An einer Eisenbahnstrecke gelegen, eine breite Rampe um Aussteigen, Baracken für die wenigen Arbeiter, die die Beute sortieren und die Toten beseitigen mussten, eine Auskleidebaracke, danach die Haare scheren, ein enger, hochumzäunter Weg, der keine Richtungsänderung mehr zuließ, zu den kleinen Gebäuden, in denen man die Gaskammern eingerichtet hatte, nicht größer als 15qm, wo die hineingestopften Opfer mit den Abgasen eines russischen Panzer- oder U-Boot Motors erstickt wurden. Nicht mehr als 20 bis 30 deutscher Mörder bedurfte es, sie wurden von knapp 150 sog. Trawnikis unterstützt, ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenen, aus den Hungerlagern rekrutiert, die die Bewachungsaufgaben übernahmen. 500 immer wieder dezimierte und ersetzte Gefangene mussten die Ermordeten begraben, später wieder ausgraben, verbrennen, ihre Habe sortieren, waschen, reparieren, die Köpfe scheren, die Nichtgehfähigen zu einem Lazarett genannten Graben bringen, wo sie erschossen wurden, die Zähne der Vergasten herausbrechen. Wirth, das Ungeheurer, hatte sich einen Vorgang erdacht, bei dem trotz beschwichtigender Rede am Anfang die Opfer schon schnell wenig Zweifel an ihrem Schicksal hatten und mit viehischer Brutalität in die Todeskammern getrieben wurden, der Tötungsvorgang dauerte 20 Minuten und länger. Niemand möge glauben, er könne sich die Realität hinter dieser Beschreibung vorstellen.

Nachdem die höheren Behörden des Reiches auf der Wannseekonferenz informiert worden waren und ihre Mithilfe zusagten, begann der Schrecken in Belzec im Frühjahr 1942, ein zweites Lager, Sobibor folgte nach genau demselben Muster, das dritte wurde eigens zur Vernichtung des Warschauer Ghettos gebaut, Treblinka. Wirth wurde Kommandant von Belzec, später Inspekteur für alle drei Vernichtungsstätten, Franz Stangl, ein Polizist aus der Linzer Gegend, übernahm Sobibor, Treblinka unterstand einem Arzt, Irmfried Eberl. Am 22. Juli 1942 fuhr Hermann Höfle ins Warschauer Ghetto, um das Todesurteil für mehr 500.000 Menschen zu verkünden. Die Absurdität des Zufalls führte Regie, der junge Mann, der vom Judenrat bestimmt wurde, das Protokoll von Höfles Todesdiktat zu stenographieren, sollte überleben. Es war niemand anders, als Marcel Reich Ranicki. Noch am selben Tag wurden Tausende nach Treblinka transportiert, jeden Tag 6000 bis 8000. Eberl erwies sich als unfähig, die Massen der Ermordeten konnten nicht schnell genug beseitigt werden, die Leichen lagen überall, die Neuankömmlinge wurden apokalyptisch mit dem Schicksal konfrontiert, nicht einmal Auschwitz hält dem Vergleich stand.

Mehrfach reorganisierten die Täter nach ihren Erfahrungen die Lager, bauten größere steinerne Gaskammern, Eberl wurde durch Stangl ersetzt, dessen Nachfolger hieß Reichleitner.

Geheim geplant war es schnell ein offenes Geheimnis. Vor aller Augen fanden die Ghettoräumungen statt, dort wo keine Bahnstrecken vorhanden waren, erschossen die Polizeibataillone die Menschen vor aller Augen, Städte wie Izbica wurden Durchgangsghettos, vor allem aber lagen die Lager, ihr furchtbarer Gestank, das weithin sichtbare Feuer, notwendig an Bahnstrecken, Wehrmachtszüge passierten. Die genauen Details blieben unbekannt, aber die Tötung der Millionen verbreitete sich in kürzester Zeit. Graf Rothkirch, Kommandeur der rückwärtigen Verbände der Heeresgruppe Mitte, recherchierte nach einem Hinweis, dass am Eisenbahnknoten Malkinia, es handelte sich um Treblinka, täglich 1.500 Juden umgebracht würden. Er informierte den Feldmarschall von Kluge, Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte. Kluge war entsetzt und entschied sich – nichts zu tun. Er würde höchstens abgelöst, was ebenso richtig sein mag, wie er die allerletzte Chance der Wehrmacht vergab, Restehre zu zeigen.

Widerstand

Am Ende handelten nur die Juden selber. Sie ließen sich nicht wie die Lämmer zur Schlachtbank treiben. Die Wahrheit über Treblinka war schnell in Warschau, der große Aufstand des Ghettos nahm so seinen Anfang. Ähnliches geschah, viel weniger bekannt, in Białystok, Juden kämpften als Partisanen und versteckten ihre Familien in Waldlagern. Belzec wurde Ende 1942 aufgelöst, die Arbeitssklaven in Sobibor vergast, die SS verbrannte die Toten selber, während sie die Gefangenen Sobibors einsperrte. Aber man ließ sie den Zug säubern, sie fanden warnende Aufzeichnungen der Ermordeten. Alle konnten sich sicher sein, dass sie am Ende der Lager zu Tode kommen würden. Am 02. August 1943 erhoben sich die Verzweifelten in Treblinka, am 14. Oktober in Sobibor.

Mindestens 1,7 Millionen Menschen, das polnische Judentum, deportierte Juden aus Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Griechenland, Sinti und Roma fanden ein unvorstellbar schreckliches Ende in den drei Todeslagern am Bug, viel mehr als in Auschwitz. In Belzec starben wohl 560.000 Menschen, drei Überlebende sind bekannt, nur einer konnte aussagen, in Treblinka mindestens 900.000, in Sobibor 180.000 und mehr. Durch die Aufstände ist es weniger als 100 von 400 bis 500 Ausgebrochenen beider Lager gelungen, bis Kriegsende zu überleben und zu berichten.

Mit den Aufständen in Warschau, Białystok, in Treblinka und Sobibor bekamen die Deutschen Angst vor ihren Opfern. Sie ebneten die Todeslager am Bug ein, bauten Bauernhöfe darüber, die sie mit jeweils einem Trawniki besetzten, setzten das organisierte Töten allein in Auschwitz fort. Nach dem Aufstand von Sobibor war dann die Angst der Mörder derat groß geworden, dass sie sich entschlossen, alle noch lebenden Zwangsarbeiter umzubringen.

Am Morgen des 3. November 1943 begann die Aktion Erntefest.

Erschienen am 03.11.2018 bei Ruhrbarone

Epilog

Einsam sind die Erinnerungsorte. Während Auschwitz täglich Tausende anzieht, herrscht Stille dort, wo einst das Grauen war. Zu wenige Überlebende konnten erzählen. Die Täter schwiegen. Odilo Globocnik wurde schon vor dem Aufstand in Sobibor abgelöst, er und seine Männer hatten sich bereichert, er bekämpfte von nun an mit dem Gros der Täter in Triest Partisanen. Wirth und Reichleitner fielen dabei. Globocnik selber beging nach der Kapitulation Selbstmord. Ebenso Eberl nach seiner Verhaftung. Greiser, Frank und Sporrenberg wurden hingerichet. Höfle erhängte sich in seiner Zelle, allerdings erst im August 1962, nachdem die Behörden Österreichs ihn endlich einsperrten, er fuhr fast zur selben Zeit wie sein Pedant Eichmann zur Hölle. Stangl entkam, wurde erst 1967 in Brasilien verhaftet, er starb 1971 im Gefängnis noch vor Rechtskraft des Urteils. Der Prozess gegen die Täter von Belzec endete mit Freisprüchen, nur ein überlebender Zeuge, Rudolf Reder, war der Nachkriegsjustiz zu wenig. In den Prozessen um Treblinka und Sobibor gab es dank der Aufstände mehr, der ungeheure Sadismus beeindruckte die Richter, es gab zwar unbefriedigende, aber auch lebenslange Urteile. Als fast alle Täter tot waren, wendete sich die deutsche Rechtsprechung und verurteilte einen Trawniki einzig wegen seiner Beteiligung an Sobibor ohne konkret nachgewiesene Einzelmordtat. Das Versagen der Justiz gegenüber den Tätern in den großen Prozessen korrigierte diese, als kaum noch einer lebte. Von den Mördern des 3. und 4. November in Lublin wurde so gut wie niemand zur Verantwortung gezogen.

Heute sagen die Begriffe Erntefest und Aktion Reinhardt kaum mehr jemandem etwas. Toivi Blatt, der Junge, der Sobibor überlebte und Buch wie viele Aussagen hinterließ, verstarb 2015, Marcel Reich Ranicki, der Zeuge von Höfles Todesurteil über die 500.000, der seinen Bruder beim Massaker von Lublin verlor, kann auch nur noch gelesen werden. Niemals vergessen gilt nicht für den Kern der Shoah.

 

Über Waldemar Alexander Pabst

Undogmatischen Konservativer. Nazifeind, Antikommunist, entschiedener Gegner jedes religiösen Totalitarismus, Rassismus und nicht zuletzt der Verschwörungstheoretiker. Bekennender Israelfreund und das, was man einmal einen “Atlantiker” nannte. Vertritt uneingeschränkt das Gesellschaftssystem der freien Welt. Blog: https://schwarzoderweiss.wordpress.com/

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