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Waldemars Altarchiv

Zu Ronnies Hundertstem

Immer an Gedenktagen fällt einem auf, dass man selber alt geworden ist. So auch heute früh, als ich in der Welt überrascht las, dass Ronald Reagan heute 100 würde. War er nicht gerade noch Präsident? Und da weiß man dann, dass verdammt viel Zeit seither vergangen sein muss.

Warum es mir bei Ronnie nicht so bewusst war, wie lange es her ist? Die Antwort ist einfach: Weil er die Zeit, in der wir heute leben ganz maßgeblich geprägt hat, eine Tatsache, die jeder anständige deutsche Intellektuelle als Trauma empfindet, weshalb er sie bis zum letzten gutmenschlichen Atemzug bestreiten wird. Wir halten uns da doch lieber an die Mär vom guten Gorbi, der sicher schon immer die Welt versöhnen wollte, seinen Satelliten die Freiheit schenken und die deutsche Einheit herstellen. Schließlich hat man in Westdeutschlands Meinungskreisen doch immer über den Schauspieler gelacht, der das Reich des Bösen Reich des Bösen nannte, den afghanischen Widerstand gegen die Beglückungen des sowjetischen Vernichtungskriegs, der nichts mit dem zu tun hatte, was heute dort stattfindet, mit der Ausnahme, dass er die Ursache für alle Qualen der Afghanen gesetzt hat, unterstützte und sich eine Weltraumraketenabwehr ausdachte, deren Genialität nicht in ihrer Machbarkeit bestand, sondern darin, den Kremlfürsten die traurige Wahrheit beizubringen, dass sie pleite sind, finanziell, wie moralisch, am Hindukusch hoffnungslos ausbluten und eine weitere Rüstungsrunde einfach nicht mithalten können. Er hat den der Freiheit verpflichteten Demokraten und Antikommunisten, die an der furchtbaren Niederlage in Indochina und den Massenmorden, die diese zur Folge hatte, litten, wieder Selbstbewusstsein und Zuversicht gegeben und den unterdrückten Völkern Mut gemacht, aufzubegehren, gemeinsam mit seinem kongenialen Partner in Rom, Johannes Paul II.

Ich erinnere es, als wäre es gestern, als er vor dem Brandenburger Tor stand. „Mister Gorbatschow, tear down this wall“ , viel gewaltiger, als Kennedys Gerede vom Berliner, denn es steckte konkrete Politik dahinter. Für mich ein bewegter Moment an jenem Vormittag, auch wenn das politische Deutschland wieder in Gelächter ausbrach.Es waren keine zweieinhalb Jahre vergangen, als ihnen das Lachen im Halse steckenblieb, der Kalte Krieg gewonnen war, das rote Unterdrückungssystem mit Millionen in 70 Jahren Gemordeten in sich zusammenbrach und der getriebene Gorbatschow eben jene Mauer öffnete.

Mit schlichter Sprache und eiserner Konsequenz hat er sie besiegt und die Welt geschaffen, mit der wir uns heute herumschlagen. Und wer darüber jammert, der hat vergessen, dass die Welt davor eine war, in der die Sowjets hinter Ratzeburg saßen und Planungen hatten, wie sie uns am besten mit Atombomben beschmeissen, wir fanden diese Papiere in Strausberg auf, als das Finale vorbei war. Papendorf hieß das Kaff östlich von Hamburg, in dem ich am ersten Kriegstag verglüht wäre, es war der vorgesehene Einsatzraum meiner Kompanie, wäre der Kalte Krieg heiß geworden. Es gibt halt Dinge, die man nicht vergisst. Nein, verglichen mit der Welt meiner ersten 30 Lebensjahre, kann ich mit Osama und den Attas gut leben.

Nicht nur ich verdanke diese neue Welt zu einem Großteil Ronald Reagan. Er ist für mich „the greatest president of all time“, der verehrte Ali sei mir ob dieses Vergleiches nicht böse. Wenn ich bedenke, wie viele der jungen Menschen, die sich heute aufmachen die Zukunft von Leben, Politik und Diskussionen zu bestimmen, erst in oder sogar nach seiner Amtszeit geboren wurden und nur die Welt kennen, die er uns geschaffen hat, dann bin ich manchmal gar nicht so traurig, alt geworden zu sein, denn:

Lieber Ronnie, ich kann sagen, ich bin stolz, dass ich dabei war, als Du Präsident warst und den Wandel der Welt miterlebt habe. Danke, und achte ein wenig auf uns von da oben, wohin du gelangt sein magst, als Du in den Sonnenuntergang geritten bist.

Happy Birthday!

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Über Waldemar Pabst

Undogmatischen Konservativer. Nazifeind, Antikommunist, entschiedener Gegner jedes religiösen Totalitarismus, Rassismus und nicht zuletzt der Verschwörungstheoretiker. Bekennender Israelfreund und das, was man einmal einen “Atlantiker” nannte. Vertritt uneingeschränkt das Gesellschaftssystem der freien Welt. Blog: https://schwarzoderweiss.wordpress.com/

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