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Waldemars Altarchiv

Die Absurdistankonferenz

Ihren Lieblingsabgeordneten nennt sie ihn immer und langsam beginnt er auch der meine zu werden.

Er ist Ruprecht Polenz, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages, was an sich noch zu ertragen wäre, aber leider, weil es so gar nicht in mein Weltbild passt, auch Mitglied meines Vereins, an dem in Wahrheit mein Herz ja tief sentimental hängt, der CDU. Sie hört in diesem Falle auf den schönen Namen Jennifer Nathalie Pyka, ist gerade 22 Jahre alt und, darüber mag sich jeder sein Urteil selber bilden (http://jennifernathalie.blogspot.com/) eine hochbegabte Nachwuchspublizistin, noch dazu, was in diesem Metier nun wirklich Seltenheitswert hat, eine Konservative im besten Sinne (wie wohl ich nicht weiß, ob sie mit dem Etikett einverstanden wäre, aber wie sie bemerken musste, gibt es schlimmere).

Nun führt der Herr Polenz, wohl mit sehr viel Zeit gesegnet, ein munteres Facebookleben und offenbart dort vor allem, dass er so etwas wie einen Israel-Komplex hat, weshalb er auf mindestens 50% seiner Pinnwand Israel darüber belehrt, was es alles falsch macht; erklärt weiterhin jedem, der es hören oder auch nicht möchte, dass Europa nichts nötiger hätte, als endlich Erdogans neoosmanische Türkei in die EU aufzunehmen; renommiert damit, ebenso mit Vertretern des Mullahregimes im Iran (das sind die, die gern mal Schwule an Baukränen hängen, Ehebrecherinnen steinigen und leidenschaftlich am Atombömblein basteln) wirtschaftspolitische Gespräche zu führen, wie sich mit „moderaten“ Taliban (das sind die, die sich sonst damit beschäftigen, wie sie Bundeswehrsoldaten mittels Sprengfallen, Schusswaffen oder anderer Mordinstrumente am erfolgreichsten vom Leben zum Tode befördern können) über „Friedenspläne“ auszutauschen; vermag in jedem Erfolg radikaler Islamströmungen nach den nordafrikanischen Revolten noch etwas Positives zu sehen, wohingegen die USA im Umgang mit den heiligen Männern alles falsch machen (und dabei regiert bei denen noch der Obama), ebenso wie er keinerlei Probleme in der heilen heimischen Multikultiwelt erkennen kann und natürlich ruft er, als entschiedener Kämpfer gegen „Rechts“ (was, wie wir sehen werden, immer eine Frage der Definition ist), gleich nach dem Verfassungsschutz bei (zugegeben grenzwertigen) islamparanoiden Blogs, die aber weder verfassungsfeindlich noch extremistisch sind (die Aufzählung ist unvollständig, aber schon so viel zu lang geworden). Schon klar, der Mann steht für genau die Positionen*), die mich als Schüler vor 34 Jahren dazu bewegten, in die CDU einzutreten.

Das Frl. Pyka inspiriert das alles, sich von Zeit zu Zeit mit ihm inhaltlich auseinander zu setzen und weil sie eben so ausgesprochen gut und boshaft zu formulieren weiß, hat sie nicht nur eine wachsende Fangemeinde, sondern tut wahrscheinlich dem Herrn Polenz manchmal etwas weh (vielleicht hat ihm auch der männlich-islamische Teil seines Freundeskreises etwas zu viel von männlichem Stolz und gekränkter Ehre erzählt, man weiß das ja nie; und vor allem von Respekt, dem Lieblingswort in diesen Kreisen, das in der Tat nicht so recht zum Wortschatz der sonst Wortgewaltigen zählt). Der große Politiker jedenfalls kam mit stolzgeschwellter Brust von der weltbedeutenden Afghanistankonferenz heim, wo er besagte Gespräche mit den „gemäßigten“ Taliban führen durfte und kaum war er zurück im Netz, da musste er schon wieder lesen, wie die Pyka ihn mit jenen Taliban vorführte. Das hatte ja schon fast etwas von Hase und Igel.

Natürlich mag nur ein Schelm so schlecht über ihn denken, dass das, was nun folgte, damit etwas zu tun haben könnte. Gewiss ist der Herr Polenz ein ehrenwerter Mann und daher ist die zeitliche Nähe reiner Zufall.

Denn nur zwei Tage danach echauffierte sich ein Linksaußenjournalist namens Klaus Kufner, ein Mann mit etwas absonderlichem Werdegang (einfach mal googeln, Stichworte Klaus Kufner Briefbomben Affäre), weil eine Reihe von Persönlichkeiten, darunter eben nämliche Jennifer Nathalie Pyka, darauf aufmerksam machten, dass ein deutscher Förderverein für einen Waldorfkindergarten in Israel mit der offensichtlichen Stoßrichtung, die offizielle israelische Politik vorzuführen und Mitgliedern, die sich mehr oder minder im Dunstkreis der umbenannten SED und diverser islamischer Organisationen bewegen, aber vor allem halt so richtig friedensbewegt sind (und gemeinsame Erziehung kleiner arabischer wie jüdischer Kinder in einem arabischen Dorf klingt ja so unangreifbar goldig), gar kein eingetragener Verein wäre und ihm zur Zeit noch jede juristische Möglichkeit zum Spendensammeln fehlte. Das ist natürlich kurz vor einem Benefizkonzert zum Zwecke jenes Spendensammels schrecklich peinlich, aber weder illegal noch weltbewegend. Auch dass Herr Kufner jede Contenance verliert und nun damit beginnt, unser Nachwuchstalent in seinem Blog als eine “jüdische rechtsradikale Nationalistin für ein araberreines Israel” zu bezeichnen und zusammenhangsfrei den Vorgang einen “digitalen Lynchmord” zu nennen, ist zwar wahrscheinlich übler Rufmord, aber die deutsche Linke, man weiß es als Christdemokrat ja seit den 70ern leidvoll, war nie zimperlich, wenn es darum ging, kritische Stimmen aus konservativem und liberalem Lager in die rechtsaußen Ecke zu stellen. Verachtenswert, doch bundesdeutsche Normalität. Das geht, wie wir sehen, sogar problemlos, wenn man, wie das Frl. Pyka aus jüdischem Hause kommt.

Der eigentliche Wahnsinn beginnt erst zwei Tage später. Da schlägt der so oft gekränkte Lieblingsabgeordnete zu und es wird auch zu einem Fall der CDU, denn die repräsentiert er, wie weit ihm das bewusst ist, sei dahingestellt. Der nämlich greift den Republik erschütternden Kindergartenfall auf seiner berühmten Facebookseite auf und solidarisiert sich, der geneigte Leser wird es befürchten, richtig, mit den linken Friedensfreunden, stellt sich ausdrücklich empört beschützend vor die Protagonisten der wirklichen Kampagne, verlinkt jenen Artikel des Kufner mit den Worten “jetzt verlinke ich einen Artikel, der die Verleumdungskampagne nachzeichnet und anprangert” (wohlgemerkt, die „Verleumdung“ besteht in einem Hinweis auf den noch mangelhaften rechtlichen Status des Vereins) und weist auch ausdrücklich der lästigen Begleiterin seiner Politik unter Nennung ihres vollen Namens, was sich Herr Kufner gar nicht getraut hatte, eine maßgebliche Rolle in der erwähnten angeblichen Verleumdungskampagne zu. Damit tritt er eine Diskussion los, die selbst für seine Verhältnisse einzigartig ist. In einem Thread, das ist so etwas wie eine Facebookkonferenz, mit sage und schreibe 1200 Comments genannten Wortmeldungen, fallen nun seine linken, türkischen und islamischen Freunde über sie und ihre sich durchaus auch hart verteidigenden Freunde her und wer bis jetzt noch nicht wusste, wer sie ist und vor allem was für finstere faschistoide Texte (Zitat einer dortigen, von Herrn Polenz geduldeten Wortmeldung) aus ihrer Feder stammen, dem wurde das nun eingehämmert. Wer den geifernden Hass gelesen hat, wird sich schon Gedanken machen, ob so etwas denn auf eine Facebookseite eines CDU-Bundestagsabgeordneten beschränkt bleiben wird oder der eine oder andere mal nachschauen geht, wo denn die Objekte seiner Wut so leben. Das setzt sich dann auch an anderen Stellen im Internet fort, die Top-Three sollen hier nicht vorenthalten werden:

“Wir haben Polenz, rechtsradikale Judenschlampen wie dich brauchen wir hier in Deutschland nicht!”

 “Heute schon mal in den Spiegel geschaut? Mach mal. Du hast zwar ein hübsches Gesicht, aber vielleicht sieht das morgen anders aus. Grün, Blau oder mit Säure verätzt zum Beispiel. “

“Seitwann geht denn das? Seitwann haben Menschen Geist und Verstand, die braunen Abfall á la Hitler und Goebbels in ihren Blogs verbreiten???”

Dass nun auch sie, wie besagter Polenzfreund mit dem Vorwurf der faschistoiden Texte schreibt, ein Fall für den Verfassungsschutz ist, versteht sich von selber.

Natürlich geht es um nichts anderes, als eine hochtalentierte unbequeme junge Frau von links einzuschüchtern, noch bevor sie richtig loslegen kann, wo sie doch genau an dieser Schwelle steht. Alles, wie gesagt, nicht neu. Der ganze Fall ist wie geschaffen dafür. Der Ausgangssachverhalt ist ebenso hochkomplex, wie völlig uninteressant und so bleibt nur hängen, dass eine rechtsradikale araberhassende Jüdin armen kleinen Kindern ihren gemeinsamen Hort zerstören will. Nicht nur die aufgeführten Bedrohungen kosten Nerven, sondern das Gedächtnis des Internets ist ewig und wer auch immer sie einstellen will, wird darauf stoßen. Das Ziel ist klar, entweder ist sie von nun an verbrannt in der rechten Schublade oder sie bemüht sich, zukünftig linken Mainstream zu schreiben. Dass dies Spiel allerdings unter der Ägide eines bedeutenden CDU Mandatsträgers stattfindet, ist ein Vorgang, der so irrsinnig ist, dass jeder objektive Erklärungsversuch im Ansatz scheitert. Denn erst er, als CDU MdB, gibt der Kampagne die Glaubwürdigkeit. Wenn sogar ein hoher CDU Funktionär dahinter steht, so sagt sich der unbedarfte Leser, dann muss da ja etwas dran sein.

Sehr frei nach Talleyrand ist diese Absurdität nicht nur menschlich indiskutabel, sondern vor allem eine grenzenlose Dummheit zum Schaden aller, die sich noch nicht mit der ewigen schönen linken Medienwelt abgefunden haben.

*) Eine unvollständige Liste von Zitaten des Ruprecht Polenz der letzten 4 Wochen zusammengestellt von Adam Poznanski, dem für diese wahrlich nicht schöne Arbeit Dank gebührt: http://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=253188621410165&id=100001570874776

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Über Waldemar Pabst

Undogmatischen Konservativer. Nazifeind, Antikommunist, entschiedener Gegner jedes religiösen Totalitarismus, Rassismus und nicht zuletzt der Verschwörungstheoretiker. Bekennender Israelfreund und das, was man einmal einen “Atlantiker” nannte. Vertritt uneingeschränkt das Gesellschaftssystem der freien Welt. Blog: https://schwarzoderweiss.wordpress.com/

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