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Waldemars Altarchiv

Eines Mannes Stunde II – eine Ergänzung zur Frage, warum das Problem personalisiert werden muss.

Einer der Kommentare zu „Eines Mannes Stunde“ war ein besonders bemerkenswerter von Stefan Strauss, weshalb er zusammenfasst an den Anfang gestellt sein soll:

„Es geht nicht mehr um einzelne Männer sondern um eine echte Rebellion. Spontan, schnell und ohne Wackelei. Der Angriff muss ins Zentrum zielen. Dort treffen wo aller Neuanfang beginnen muss. Nicht an den Rändern. Die Statik der Republik muss ins wanken kommen wo sie jetzt noch unter falscher Flagge mühselig gekittet wird. Wenn es nicht anders geht hilft nur eine Spaltung. Wer im Sarg bleiben will, soll sich dann eben in der Merkel- CDU begraben lassen. Gefordert sind alle Ebenen und Nebenorganisationen der Partei. Von Ortsverband zu Ortsverband sollte der Parteiführung das Vertrauen radikal entzogen werden … Für eine strikte Einhaltung des Grundgesetzes, keine Sonderrechte für Niemanden, dann klappts auch mit der Integration befremdlicher Kulturen. Familienpolitik für Familien, als dem ultimativen und evolutionären Sinn des Lebens. Für einen Naturschutz der den Menschen und seine Schöpfungen nicht als einen Gegensatz empfindet. Keine Sonderrechte für Juchtenkäfer und Hufeisennasen, denn auch der Mensch verzichtet im Interesse des gemeinsamen Überlebens auf das Paradies der Unschuld“.

Wirklich lohnend, ihn komplett nachzulesen, weshalb um des Grundsätzlichen willen die Replik nicht versteckt bei den Kommentaren, sondern als Ergänzung zum Artikel hier erfolgen soll. Jede einzelne Zeile lässt sich unterschreiben. Warum so zu handeln ist, wurde selten derart prägnant dargestellt, dass man es sich an die Wand hängen sollte, allein beim „wie“ unterscheiden sich die Meinungen.

Es ist das Idealbild innerparteilicher Demokratie, das dort propagiert wird, die politisierten Mitglieder in den Ortsverbänden, die ihre Mehrheit nutzen und von unten nach oben eine andere Politik transportieren; ach, was wäre es doch für ein Traum, gelänge es, die Parteimassen durch mitreißende Ansprache in düsterer Stunde sich erheben zu lassen. Allein, dies ist ein Traum, nur ein Traum und es bleibt ein Traum, das revolutionäre Potential des deutschen Konservativen ist ohnehin nur begrenzt ausgeprägt, das des geneigten konservativen CDU Mitglieds kann gar nicht unterschätzt werden. Es gibt sie ja, die Basisinitiativen, von der ALS bis zu Zirkeln am Rande von Partei und Fraktion und vor allem auch in der Jungen Union. Wäre es nur einen Tick anders als befürchtet, die Parteitage würden von diesen Empörten dominiert, statt dass jene jedes Mal bangen müssten, des Saales verwiesen zu werden, denn in der Tat ist doch die Unzufriedenheit vor Ort mit Händen zu greifen und eine theoretische Mehrheit für eine andere Politik evident. Die Praxis sieht eben anders aus. Es ist die Mischung aus Trägheit, Mutlosigkeit, Mitläufertum und gegenseitigen Abhängigkeiten der Mandatsträger, sowie die traditionelle Personalpolitik, die auf regionaler Proportionalität beruht, bei der inhaltliche Ausrichtungen nahezu keine Rolle spielen. Eine Partei ist ein hochkomplexer alter Dampfer, der für schnelle Wendungen vom Maschinenraum aus gänzlich ungeeignet ist. Und es wäre echtes Missverstehen, zu glauben, darob sollte Klage geführt werden. Diese Strukturen sind Ausdruck der Natur des Menschen, man findet sie in jedem Zusammenschluss Gleichgesinnter überall auf der Welt und sie sind nicht einmal falsch, denn sie sind ein System der Balance und des Interessenausgleichs. Davon abgesehen ist es für das Weitere unwichtig, wie man zu diesem Phänomen steht, es ist so, das Wesen einer Partei ist nicht zu ändern. Mit der Realität muss man umgehen, sie passt sich selten an die eigenen Ideale an.

Es bleiben also zwei Möglichkeiten, mit wehenden Fahnen und der reinen Lehre außerhalb der Partei zu streiten oder die Strukturen der Partei zu akzeptieren und im Sinne des beharrlichen Bohrens dicker Bretter, wie des entschlossenen Nutzens von Situationen seine Sache voran zu bringen.

Die erstere ist ehrenhaft und unpolitisch. Alle Erfahrungen der letzten Jahre mit Ansätzen dieser Art sind zum Scheitern verurteilt gewesen, das Beispiel der „Freiheit“ in Berlin belegt, rein konservative Inhalte sind nicht tragfähig zur Erreichung einer nennenswerten Wählerschaft. Sie enden im Sektierertum und werden dann, wie einst die Republikaner, von den Rechtsradikalen gefressen. Man kann natürlich wie Felix Menzel, der inhaltlich weit außerhalb der CDU steht, alles schrecklich finden ohne noch Lösungsansätze zu haben. Das liest sich lustig und bringt überhaupt nichts.

Innerhalb der Partei zu agieren, heißt allerdings nicht nur flammende Aufrufe zu verfassen und Gesprächskreise zu gründen. Das Problem der Konservativen ist schlicht, dass sie zwar begeisterte Basisaktivisten haben, die ALS sei noch einmal erwähnt, aber es ihnen an herausragenden Führungsfiguren fehlt. Solchen nämlich, die wissen, wie es geht, weil sie den Parteiapparat kennen und seine Gesetzmäßigkeiten zu nutzen wissen und über ein gewisses dynamisches Charisma verfügen, das sie über das Waldorf und Statler Image der Politrentnerkränzchen jener sich ab und an bildenden Gruppen heraushebt. Wenn die Basis aufstehen soll, dann benötigt sie einen, der sie anführt und der immerhin noch so etabliert ist, dass die Zögernden ihre Furcht überwinden können, selber zu Außenseitern zu werden. Dass es möglich ist, zeigt das knappe und für die spontane improvisierte Kandidatur überragende Ergebnis von Peter Gauweiler beim CSU Parteitag. Wenn der Fisch vom Kopfe her stinkt, dann lässt er sich nur vom Kopfe her reformieren.

Im Anwenden der Machttechniken sind Muttis Unterführer ihren Widersachern weit überlegen, darum gewinnen sie immer. Fast zwei Wochen nach der Wahl schreiben die Konservativen wieder ihre ESM Papiere und Laschet und Laumann haben die NRW CDU unter sich aufgeteilt; die vertreten nur kühl ihre Interessen, was nicht einmal vorwerfbar ist. Die Gunst der Stunde ist fast verpasst. „Wir kämpfen um den größten Landesverband, nur das ist jetzt wichtig“, hätten sich die Erneuerer sagen müssen, wir brauchen einen Mann, der die Partei mitreißt, alles andere ist gerade egal und der Zufall will, dass wir ihn sogar hätten, in jenem Wolfgang Bosbach, der zur Zeit eine gewisse Prominenz gewonnen hat, inmitten des Landesverbandes zuhause ist und im Gegensatz zu diesem aalglatten, knochentrocknen und längst desertierten Merz auch glaubwürdig und empathisch die Menschen anspricht, ob er nun selber schon auf die Idee gekommen ist und das wollte oder nicht. Man muss die Feste halt feiern wie sie fallen, wenn man gewinnen will. Macht übt der aus, der sie hat und nicht der, der schreibt oder durch Talkshows tingelt. Wer das nicht rafft, muss sich mit den Tränen darüber bescheiden, dass der Zug in die falsche Richtung fährt.

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Über Waldemar Pabst

Undogmatischen Konservativer. Nazifeind, Antikommunist, entschiedener Gegner jedes religiösen Totalitarismus, Rassismus und nicht zuletzt der Verschwörungstheoretiker. Bekennender Israelfreund und das, was man einmal einen “Atlantiker” nannte. Vertritt uneingeschränkt das Gesellschaftssystem der freien Welt. Blog: https://schwarzoderweiss.wordpress.com/

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